Eine Woche, ein Portal, 401 Betriebe.

Zwischen dem 10. und 16. Juli 2026 haben wir die offene Schnittstelle der BA-Jobbörse nach acht Backoffice-Rollen abgefragt: Fakturierung, Kreditorenbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, Abrechnung, Auftragsabwicklung, Disposition, Rechnungswesen-Sachbearbeitung und Prozessmanagement. Nach Abzug von Zeitarbeits-Anzeigen, Großkonzernen und Dubletten blieben 475 offene Stellen von 401 verschiedenen Betrieben. In einer einzigen Woche, auf einem einzigen Portal.

Der Bestand über alle acht Suchbegriffe lag am Stichtag bei rund 8.100 offenen Stellen. Die Methodik ist bewusst offen gelegt: Suchbegriffe können sich überschneiden, deshalb rechnen wir im Weiteren ausschließlich mit den 475 deduplizieren, gefilterten Treffern unserer Wochen-Stichprobe.

Der Staat selbst nennt diese Rollen automatisierbar.

Zwei Bundes-Quellen, am Erhebungstag selbst geöffnet und wörtlich übernommen:

01

Buchhalter/in: 100 Prozent automatisierbar, Median 4.259 € im Monat

Der Job-Futuromat des IAB (Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit) stuft alle sieben Kerntätigkeiten des Berufs als heute automatisierbar ein. Der Entgeltatlas derselben Behörde weist 4.259 Euro Median-Bruttomonatsentgelt in Vollzeit aus.

IAB · Entgeltatlas
02

Lohn- und Gehaltsbuchhalter/in: 100 Prozent, Median 4.259 €

Alle vier Kerntätigkeiten laut IAB automatisierbar, gleiche Entgeltgruppe wie die Buchhaltung.

IAB · Entgeltatlas
03

Disponent/in Güterverkehr: 100 Prozent, Median 3.971 €

Alle sechs Kerntätigkeiten laut IAB automatisierbar.

IAB · Entgeltatlas
04

Bürokaufmann/-frau: 83 Prozent, Median 3.820 €

Fünf von sechs Kerntätigkeiten laut IAB automatisierbar. Die Fachkraft-Ebene der Buchhaltung liegt bei 77 Prozent und 3.982 Euro.

IAB · Entgeltatlas

Über 21 Millionen Euro Jahresgehalt, ausgeschrieben in einer Woche.

Wir rechnen bewusst niedrig: 475 gefilterte Stellen mal dem niedrigsten der vier Mediane (3.820 Euro) mal zwölf Monate ergibt 21,8 Millionen Euro Brutto-Jahresgehalt, ohne Arbeitgeber-Nebenkosten. So viel hat der deutsche Mittelstand in einer einzigen Juli-Woche auf einem einzigen Portal für Arbeit ausgeschrieben, deren Kern das IAB zu 77 bis 100 Prozent als automatisierbar einstuft.

Jede dieser Anzeigen bezahlt einen Menschen dafür, eine Strecke von Hand zu laufen, die nie gebaut wurde.

Automatisierbar heißt nicht überflüssig.

In jeder dieser Rollen steckt Urteil: Ausnahmen, Lieferanten-Rückfragen, Monatsabschluss-Entscheidungen. Die ehrliche Lesart ist eine andere: Betriebe stellen Menschen ein, um wiederkehrende, regelbasierte Strecken zu tragen, weil die Strecke nie gebaut wurde. Wird sie gebaut, macht dieselbe Person Ausnahmen und Urteil statt Dateneingabe, und das ist auch der Teil der Arbeit, für den Menschen bleiben.

Genau deshalb veröffentlichen wir diese Zahlen: nicht als Ersatz-Prophezeiung, sondern als Preisschild für ungebaute Strecken. Wer eine dieser Rollen gerade besetzt, sollte vorher wissen, welcher Teil der Stelle eine Bau-Aufgabe ist.

Jede Zahl nachprüfbar.

  • Eigene Erhebung: offene Jobsuche-API der Bundesagentur für Arbeit, Abfragen 10.-16.07.2026, acht Suchbegriffe, Filter gegen Zeitarbeit, Konzerne und Dubletten offengelegt.
  • Entgelte: BA Entgeltatlas, Datenstand 31.12.2024, Median-Bruttomonatsentgelt Vollzeit je Berufsgattung (web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas).
  • Automatisierbarkeit: IAB Job-Futuromat, Stand 31.12.2024, Anteil automatisierbarer Kerntätigkeiten je Beruf (job-futuromat.iab.de).
  • Der Index wird monatlich fortgeschrieben; die Juli-Werte bleiben als Basiswert stehen.