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No-Go Claims im Kanzlei-Content: sichere Alternativen (ohne weich zu werden)

Eine No-Go-Liste für Kanzlei-Content: typische riskante Claims und Formulierungen – plus sichere Alternativen, die trotzdem klar sind.

30. Dezember 2025Aktualisiert: 18. Februar 2026
Hinweis zur Qualität
  • Fokus: Prozess/Betrieb statt Tool-Hype
  • Stand: 18. Februar 2026
  • Keine Rechtsberatung – nur Organisations-/Prozessmodell
  • Wie wir arbeiten

Warum No-Go-Claims der schnellste Weg sind, Vertrauen zu verlieren

Viele KI-Texte klingen „glatt" – und genau das ist in Kanzleien riskant. Nicht wegen KI, sondern wegen Übertreibung:

  • absolute Versprechen,
  • „garantiert",
  • wackelige Zahlen,
  • implizite Rechtsberatung.

Das Problem ist subtil: Ein Mandant liest „Wir garantieren schnelle Bearbeitung" und denkt „klingt gut". Sein Anwalt im Hintergrund liest dasselbe und denkt „unhaltbar, unseriös, potenziell wettbewerbswidrig".

Das Ziel ist nicht „weichspülen", sondern präzise formulieren. Präzise Aussagen sind oft stärker als vage Versprechen.


Die Psychologie hinter No-Go-Claims

Warum Teams in die Falle tappen

  1. Marketing-Reflexe: Werbetexter sind trainiert auf „emotional, big promises". Das funktioniert bei Konsumgütern, nicht bei Rechtsdienstleistungen.

  2. KI-Outputs: LLMs produzieren naturgemäß glatte, optimistische Texte. Ohne Leitplanken schleichen sich Übertreibungen ein.

  3. Zeitdruck: „Wir brauchen morgen Content" führt zu Copy-Paste ohne Prüfung.

  4. Keine Checkliste: Ohne definierte No-Gos verlässt sich jeder auf sein Bauchgefühl.

Warum es schadet

  • Berufsrechtlich: Anwaltswerbung unterliegt strengen Regeln (§ 43b BRAO, BORA)
  • Wettbewerbsrechtlich: Irreführende Werbung ist abmahnfähig
  • Reputation: Mandanten mit juristischem Hintergrund erkennen Übertreibungen sofort
  • Intern: Partner blockieren Freigabe, weil sie Risiken sehen

No-Go-Liste (Copy/Paste) + Alternativen

Absolute Versprechen

No-Go Warum problematisch Bessere Alternative
„Wir garantieren…" Absolut, angreifbar, berufsrechtlich heikel „Typischerweise…", „In vielen Fällen…"
„100% rechtssicher" Unhaltbar, nichts ist 100% sicher „Mit klaren Leitplanken und Freigabeprozess"
„Immer" / „Niemals" Absolute Aussagen laden zu Gegenbeispielen ein „In der Regel", „Üblicherweise"
„Der beste / führende…" Wettbewerbsrechtlich problematisch ohne Beleg „Spezialisiert auf…", „Fokussiert auf…"

Unprüfbare Zahlen

No-Go Warum problematisch Bessere Alternative
„Spart 80% Zeit" Unbelegt, variiert stark „Ziel: Antwortzeit unter 12h stabilisieren"
„10x schneller" Übertreibung ohne Kontext „Signifikante Zeitersparnis bei [konkretem Prozess]"
„Tausende zufriedene Mandanten" Unspezifisch, nicht verifizierbar „Seit [Jahr] tätig", „[Zahl] abgeschlossene Mandate in [Bereich]"

Implizite Rechtsberatung

No-Go Warum problematisch Bessere Alternative
„KI erledigt das juristisch korrekt" Suggeriert Beratung durch KI „KI unterstützt bei Struktur, Freigabe bleibt bei Ihnen"
„Sie sollten [konkreten Rechtsrat]" Rechtsberatung außerhalb Mandat „Typische Optionen sind…" (allgemein halten)
„Das ist rechtssicher" Garantie ohne Mandatsverhältnis „Entspricht gängiger Praxis", „Im Einklang mit [Gesetz]"

Unseriöse Versprechen

No-Go Warum problematisch Bessere Alternative
„Sofort mehr Mandate" Unrealistisch, unseriös „Planbare Sichtbarkeit – messbar über definierte KPIs"
„Ohne Risiko" Nichts ist ohne Risiko „Mit kalkulierbarem Aufwand"
„Erfolgsgarantie" Ergebnisse nicht garantierbar „Transparentes Vorgehen mit definierten Meilensteinen"

3 Regeln, die fast alles lösen

Regel 1: Rahmen nennen

Schlecht: „Unsere Automatisierung spart enorm Zeit."

Besser: „Bei einem 5-Personen-Team mit strukturiertem Intake-Prozess konnten wir die durchschnittliche Erstantwortzeit von 48h auf 8h reduzieren."

Der Rahmen (Teamgröße, Ausgangslage, Prozess) macht die Aussage prüfbar und glaubwürdig.

Regel 2: Messgröße statt Bauchgefühl

Schlecht: „Deutlich schnellere Bearbeitung."

Besser: „Antwortzeit < 12h (gemessen über 90 Tage), Durchlaufzeit Intake -40%."

Messgrößen, die Sie tatsächlich tracken, sind glaubwürdig. Bauchgefühl-Aussagen nicht.

Regel 3: Freigabe und Owner klar benennen

Schlecht: „KI erstellt Ihre Inhalte automatisch."

Besser: „KI erstellt Entwürfe. Freigabe erfolgt durch [Rolle]. Verantwortung bleibt bei der Kanzlei."

Wer trägt Verantwortung? Diese Frage muss jeder Content beantworten.


Die „3-Sekunden-Regel" für Content-Review

Lesen Sie jeden Satz und fragen Sie:

  1. Kann das jemand widerlegen? Wenn ja: Abschwächen oder belegen
  2. Würde ein Partner das unterschreiben? Wenn nein: Umformulieren
  3. Klingt es wie Werbung oder wie Information? Wenn Werbung: Entschärfen

Ein Satz, der alle drei Fragen besteht, ist freigabefähig.


Mini-Template: Sicher, aber nicht weich

Für jede Leistungsbeschreibung oder Case Study:

Ausgangslage: [Teamgröße], [Prozess], [Problem]
Ziel: [KPI] stabilisieren / verbessern
Vorgehen: 1 Workflow produktiv, dann stabilisieren
Leitplanken: Freigabe durch [Rolle], QA-Prozess, Monitoring
Ergebnis: [Messbares Ergebnis mit Zeitraum]

Beispiel:

Ausgangslage: 8-Personen-Kanzlei, keine strukturierte Leaderfassung, Erstantwort oft >72h
Ziel: Antwortzeit auf <24h stabilisieren
Vorgehen: Automatisierter Intake mit Kategorisierung, dann schrittweise Erweiterung
Leitplanken: Freigabe neuer Workflows durch Partner, wöchentliches Review der KPIs
Ergebnis: Durchschnittliche Erstantwort 11h (gemessen über 6 Monate)


Freigabe-Workflow für Content

Stufe 1: Selbst-Check (Autor)

  • No-Go-Liste geprüft
  • 3-Sekunden-Regel auf jeden Satz angewandt
  • Zahlen mit Quelle/Kontext versehen

Stufe 2: Peer-Review (Kollege)

  • Zweites Paar Augen auf kritische Aussagen
  • Berufsrechtliche Bedenken?
  • Wettbewerbsrechtliche Bedenken?

Stufe 3: Partner-Freigabe (bei sensiblen Themen)

  • Fallbezogene Inhalte (auch anonymisiert)
  • Aussagen zu Erfolgsquoten oder Ergebnissen
  • Vergleiche mit Wettbewerbern

Typische Situationen und Lösungen

Situation: Marketing will mehr Punch

Problem: Das klingt zu zurückhaltend, können wir das nicht stärker machen?

Lösung: Stärke kommt aus Spezifität, nicht aus Übertreibung.

  • Schwach: „Wir sind sehr erfahren"
  • Stark: „Seit 2008 fokussiert auf Arbeitsrecht, 400+ Kündigungsschutzklagen"

Situation: KI-Output enthält Übertreibungen

Problem: GPT schreibt „garantiert Ihnen maximale Effizienz"

Lösung: Prompt anpassen. Explizite Anweisung: Keine absoluten Versprechen. Keine Garantien. Konditionale Formulierungen bevorzugen.

Situation: Wettbewerber übertreiben auch

Problem: Die anderen schreiben auch Dinge wie führend und garantiert.

Lösung: Das macht es nicht richtig. Seriöse Mandanten erkennen den Unterschied. Und: Abmahnrisiko besteht unabhängig davon, was andere machen.


No-Go-Liste als Freigabe-Beschleuniger

Der größte Vorteil einer No-Go-Liste ist nicht Risikominimierung – es ist Geschwindigkeit.

Ohne Liste: Jeder Reviewer prüft nach eigenem Ermessen. Endlose Diskussionen über Formulierungen. Freigabe dauert Tage.

Mit Liste: Klare Kriterien. Autor prüft selbst vor Einreichung. Reviewer bestätigt Compliance. Freigabe in Stunden.

Eine gut definierte No-Go-Liste ist ein Automatisierungswerkzeug für den Freigabeprozess.


Nächster Schritt

Wenn ihr Content-Automation wollt, ist eine No-Go-Liste Pflicht – sie macht Freigabe schnell und reduziert Risiko.

  1. No-Go-Liste für euer Team erstellen (diese als Basis)
  2. In Prompt-Templates integrieren
  3. Freigabe-Workflow definieren
  4. Erste Woche: Jeden Output gegen Liste prüfen

Leitfaden: Content-Automation für Kanzleien

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  • Teamgröße (ca.)
  • 2–3 Systeme (z. B. E-Mail, CRM, DMS)
  • 1 Ziel-KPI (Antwortzeit, Durchlaufzeit, Routing-Quote …)
  • Aktueller Engpass (Übergaben, Status, Datenqualität)

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