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40 % Verwaltungszeit: Wo Kanzleien am meisten Zeit verlieren

Die größten Zeitfresser im Kanzleialltag — und welche davon sich sofort automatisieren lassen, ohne die Qualität zu gefährden.

03. Februar 2026Aktualisiert: 18. Februar 2026
Hinweis zur Qualität
  • Fokus: Prozess/Betrieb statt Tool-Hype
  • Stand: 18. Februar 2026
  • Keine Rechtsberatung – nur Organisations-/Prozessmodell
  • Wie wir arbeiten

In einer typischen Wirtschaftskanzlei verbringen Anwälte nur 60 % ihrer Arbeitszeit mit tatsächlicher Mandatsarbeit. Die restlichen 40 % gehen für Verwaltung drauf: E-Mails sortieren, Dokumente suchen, Termine koordinieren, Rechnungen erstellen, interne Abstimmungen.

Bei einem Anwalt mit 220 Arbeitstagen und 9 Stunden pro Tag sind das 792 Stunden pro Jahr für Verwaltung. Bei einem Stundensatz von 200 € entspricht das 158.400 € pro Anwalt — an entgangenem Umsatz oder verschwendeter Kapazität.

Multiplizieren Sie das mit der Anzahl Ihrer Anwälte, und Sie sehen das Ausmaß.

Die fünf größten Zeitfresser — und was Sie dagegen tun können

1. E-Mail-Management: 2–3 Stunden täglich

Der offensichtlichste Zeitfresser. Partner berichten regelmäßig, dass sie morgens eine Stunde brauchen, um den Posteingang zu sichten, tagsüber ständig zwischen Mandatsarbeit und E-Mail hin- und herspringen und abends nochmals ausstehende Nachrichten bearbeiten.

Das Problem ist nicht das Medium E-Mail — es ist das Fehlen von Struktur. Wenn jede E-Mail gleich behandelt wird (egal ob Mandantenanfrage, Newsletter oder interne Frage), bleibt die Priorisierung an der teuersten Ressource hängen: dem Partner.

In unserem Artikel zu 7 Strategien gegen E-Mail-Flut beschreiben wir konkrete Maßnahmen — von einfachen Filterregeln bis zur vollständigen Automation.

Einsparpotenzial: 40–70 % der E-Mail-Zeit durch strukturierten Intake und automatisches Routing.

2. Dokumentensuche: 30–60 Minuten täglich

Wo war nochmal der letzte Entwurf des Kaufvertrags? Auf dem Server? In der Cloud? Als E-Mail-Anhang? In welcher Version?

Anwälte verbringen erstaunlich viel Zeit mit der Suche nach Dokumenten, die eigentlich vorhanden sind — nur eben nicht dort, wo man sie erwartet. Laut einer Studie von McKinsey verbringen Wissensarbeiter 19 % ihrer Arbeitszeit mit Suchen und Sammeln von Informationen.

Was hilft:

  • Einheitliche Ordnerstruktur: Ein verbindliches Schema, das jeder kennt und nutzt (z.B. /Mandant/Jahr/Rechtsgebiet/Dokumenttyp)
  • Konsistente Benennung: 20260208_Kaufvertrag_Mueller_v3.docx statt Vertrag_final_final2.docx
  • Volltextsuche: Kanzleisoftware mit Suchfunktion, die auch Dokumentinhalte durchsucht — nicht nur Dateinamen

Einsparpotenzial: 50–80 % der Suchzeit durch konsequente Namenskonvention und Suchtools.

3. Rechnungsstellung: 2–4 Stunden pro Woche

Der Klassiker: Monatsende, die Rechnungen müssen raus. Partner sitzen am Freitagnachmittag und rekonstruieren Zeitaufwände aus dem Gedächtnis, weil sie die Zeiterfassung nicht zeitnah gepflegt haben.

Das Ergebnis: Rechnungen, die zu niedrig ausfallen (vergessene Stunden), zu spät rausgehen (Cash-Flow-Problem) oder Fehler enthalten (Nacharbeit + schlechter Eindruck beim Mandanten).

Was hilft:

  • Tägliche Zeiterfassung: Konsequent am Ende jedes Tages, nicht am Monatsende. 5 Minuten täglich statt 3 Stunden monatlich
  • Automatische Rechnungserstellung: Aus erfassten Zeiten direkt Rechnungsentwürfe generieren lassen
  • Zahlungserinnerungen: Automatisch nach 14, 30 und 45 Tagen — statt manuell hinterhertelefonieren

Einsparpotenzial: 60–80 % der Rechnungsstellungszeit. Bonus: Rechnungen gehen schneller raus = besserer Cash-Flow.

4. Terminkoordination: 30–60 Minuten täglich

Der Ping-Pong-Effekt: „Passt Ihnen Dienstag?" — „Nein, wie wäre Mittwoch?" — „Da habe ich einen Gerichtstermin, Donnerstag?" — „Da ist der Partner nicht verfügbar." Drei E-Mails, fünf Kalenderprüfungen, 20 Minuten — für einen einzigen Termin.

Was hilft:

  • Online-Terminbuchung: Tools wie Calendly oder Cal.com zeigen verfügbare Slots direkt an. Der Mandant wählt, der Termin steht — ohne Ping-Pong
  • Automatische Erinnerungen: 24h und 1h vor dem Termin. Reduziert No-Shows um 30–50 %
  • Kalenderintegration: Termine automatisch in allen relevanten Kalendern (Partner + Mandant + ggf. Konferenzraum)

Einsparpotenzial: 80–90 % der Koordinationszeit für Standardtermine. Komplexe Termine (mehrere Parteien, Gerichtstermine) bleiben manuell.

5. Interne Abstimmungen: 30–60 Minuten täglich

Kurze Frage an den Kollegen: „Hast du den Fall Müller schon weiterbearbeitet?" Antwort drei Stunden später. In der Zwischenzeit: Erinnerungs-E-Mail, kurzer Gang ins Büro (Kollege nicht da), Slack-Nachricht.

Interne Kommunikation ist notwendig — aber der Aufwand pro Abstimmung ist oft unverhältnismäßig, weil die Informationen nicht zentral verfügbar sind.

Was hilft:

  • Zentrale Mandatsübersicht: Ein Ort, an dem jeder sehen kann, wo ein Fall steht — ohne nachfragen zu müssen
  • Asynchrone Updates: Tägliches 5-Minuten-Update statt spontaner Unterbrechungen
  • Klare Zuständigkeiten: Wenn bei jedem Vorgang klar ist, wer verantwortlich ist, entfallen 80 % der „Wer kümmert sich um...?"-Fragen

Einsparpotenzial: 40–60 % der Abstimmungszeit durch transparente Status-Übersichten.

Die Gesamtrechnung: Was Verwaltungszeit Ihre Kanzlei kostet

Für eine Kanzlei mit 10 Anwälten (Durchschnitt 220 €/h):

Zeitfresser Zeit/Anwalt/Tag Anwälte Arbeitstage Stundensatz Jährliche Kosten
E-Mail-Management 2,5h 10 220 220 € 1.210.000 €
Dokumentensuche 0,75h 10 220 220 € 363.000 €
Rechnungsstellung 0,5h 10 220 220 € 242.000 €
Terminkoordination 0,75h 10 220 220 € 363.000 €
Interne Abstimmung 0,5h 10 220 220 € 242.000 €
Gesamt 5h 2.420.000 €

Selbst wenn nur 30 % davon realistisch eingespart werden können, reden wir über 726.000 € pro Jahr an freigesetzter Kapazität — Kapazität, die für abrechenbare Mandatsarbeit oder Akquise genutzt werden kann.

Wo anfangen? Die Priorisierungs-Matrix

Nicht alles auf einmal. Die Faustregel: Höchste Zeitersparnis × geringstes Umsetzungsrisiko = erster Hebel.

Maßnahme Zeitersparnis Umsetzungsaufwand Empfehlung
Automatische Eingangsbestätigung Mittel 1 Stunde Sofort
E-Mail-Filterregeln Hoch 2–4 Stunden Diese Woche
Online-Terminbuchung Hoch 1 Tag Diese Woche
Einheitliche Ordnerstruktur Hoch 1–2 Wochen Diesen Monat
Automatische Rechnungserstellung Hoch 2–4 Wochen Dieses Quartal
Vollständige Workflow-Automation Sehr hoch 3–6 Wochen Nach Einzelmaßnahmen

Der Fehler, den die meisten Kanzleien machen: Sie überlegen monatelang, ob sie „die Digitalisierung" angehen sollen — und tun dann nichts, weil das Gesamtprojekt zu groß erscheint.

Besser: Eine Maßnahme pro Woche. Eingangsbestätigung am Montag. Filterregeln am nächsten Montag. Terminbuchung in der Woche darauf. Nach einem Monat haben Sie 20 % Ihrer Verwaltungszeit zurück — ohne Großprojekt.

Der versteckte Gewinn: Was Sie mit der gewonnenen Zeit machen

Zeit zu sparen ist nur die halbe Gleichung. Die andere Hälfte: Was tun Sie mit den gewonnenen Stunden?

Drei Optionen:

  1. Mehr abrechenbare Stunden: Direkte Umsatzsteigerung. 2 Stunden/Tag × 220 € × 220 Tage = 96.800 € pro Anwalt.
  2. Bessere Mandantenbetreuung: Gleiche Stunden, aber intensivere Betreuung = höhere Mandantenbindung = mehr Folgemandate.
  3. Business Development: Vorträge, Netzwerken, Fachartikel — die Investition, die langfristig die Pipeline füllt, aber für die im Alltag nie Zeit ist.

Die meisten erfolgreichen Kanzleien nutzen eine Mischung: 50 % mehr abrechenbare Arbeit, 30 % bessere Betreuung, 20 % Akquise.

So starten Sie konkret

Heute:
Schätzen Sie ehrlich: Wie viele Stunden pro Woche verbringen Sie persönlich mit den fünf genannten Verwaltungsaufgaben? Schreiben Sie die Zahl auf.

Diese Woche:
Setzen Sie die erste Maßnahme aus der Tabelle um — die mit dem geringsten Aufwand. Nicht perfekt, sondern funktionierend.

In 30 Tagen:
Vergleichen Sie: Hat sich etwas verändert? Wenn ja — nächste Maßnahme. Wenn nein — analysieren Sie, woran es lag.

Wenn Sie feststellen, dass die manuellen Maßnahmen nicht ausreichen und Sie über systematische Prozessoptimierung nachdenken: Schauen Sie sich an, was unsere Leistungen in diesem Bereich umfassen, oder sprechen Sie uns direkt an für eine unverbindliche Einschätzung.

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Nächster Schritt: 1 Workflow produktiv (statt 10 Ideen)

Wenn Sie uns kurz Kontext geben, kommen wir im Erstgespräch direkt zu einem klaren Scope (Ziel, Daten, Status/Owner) – ohne Sales-Show.

  • Teamgröße (ca.)
  • 2–3 Systeme (z. B. E-Mail, CRM, DMS)
  • 1 Ziel-KPI (Antwortzeit, Durchlaufzeit, Routing-Quote …)
  • Aktueller Engpass (Übergaben, Status, Datenqualität)

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