Die eigentliche Frage: Vertrauen, nicht nur Kennzeichnung
Der EU AI Act bringt Transparenzanforderungen, aber für Kanzleien ist die praktische Frage eine andere: Wie nutzt ihr KI-Content, ohne das Mandantenvertrauen zu beschädigen?
Kennzeichnung ist ein Baustein. Aber Leitplanken, Freigabeprozesse und redaktionelle Kontrolle sind wichtiger. Ein perfekt gekennzeichneter Post, der unbelegte Behauptungen aufstellt, schadet eurer Kanzlei trotzdem.
Was der AI Act tatsächlich verlangt
Für Content-Generierung (nicht Hochrisiko-KI) fokussiert der Act auf:
- Transparenz über KI-Beteiligung bei der Content-Erstellung
- Keine irreführenden Praktiken, die Verbraucher täuschen könnten
- Dokumentation der KI-Nutzung für Nachvollziehbarkeit
Für Kanzleien, die Marketing-Content produzieren, bedeutet das typischerweise:
- Interne Dokumentation eures KI-gestützten Workflows
- Klare redaktionelle Aufsicht und Freigabeprozesse
- Optionale öffentliche Offenlegung (Footer-Hinweis, Transparenz-Seite)
Der Act verlangt NICHT, jeden KI-unterstützten Satz zu kennzeichnen. Er verlangt Ehrlichkeit über eure Prozesse.
Praktische Leitplanken (Copy/Paste)
Diese Regeln verhindern Probleme, bevor sie entstehen:
Content-Regeln:
- KI entwirft Struktur und Ersttext – finale Freigabe immer durch Menschen
- Keine absoluten Versprechen ("garantierte Ergebnisse", "gewinnen immer")
- Keine Sprache, die wie konkrete Rechtsberatung klingt
- Alle Beispiele müssen anonym oder klar hypothetisch sein
- Faktische Aussagen brauchen überprüfbare Quellen
Prozess-Regeln:
- Jeder Post wird vor Veröffentlichung von qualifizierter Person geprüft
- No-Go-Liste wird automatisch gecheckt (siehe unten)
- Freigabe-Zeitstempel wird für Audit-Trail protokolliert
- Monatliche Überprüfung veröffentlichter Inhalte auf Probleme
No-Go-Liste: Was KI-Content niemals enthalten darf
| Kategorie | Beispiele | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Absolute Behauptungen | "Wir gewinnen immer", "100% Erfolg" | Irreführend, potenziell standesrechtlich relevant |
| Konkrete Beratung | "In Ihrem Fall sollten Sie..." | Begründet Beratungsverhältnis |
| Unbelegte Statistiken | "Studien zeigen 87%..." (ohne Quelle) | Glaubwürdigkeitsschaden |
| Wettbewerber-Angriffe | "Anders als Kanzlei X, die..." | Unprofessionell, rechtliches Risiko |
| Druck-Manipulation | "Handeln Sie jetzt oder verlieren Sie Rechte" | Drucktaktik, Vertrauensschaden |
Drei Kennzeichnungs-Ansätze (Einen wählen)
1. Nur interne Dokumentation
- Dokumentiert euren KI-gestützten Workflow intern
- Führt Freigabe-Logs und Bearbeitungsverlauf
- Keine öffentliche Offenlegung, außer auf Nachfrage
- Am besten für: Kanzleien mit Bedenken bei der Außenwirkung
2. Transparenz-Seite
- Fügt Hinweis auf Über-uns/Impressum-Seite hinzu: "Wir nutzen KI-Tools zur Unterstützung bei Content-Recherche und -Entwürfen. Alle Inhalte werden von unserem Team geprüft und freigegeben."
- Keine Kennzeichnung pro Post
- Am besten für: Ausgewogene Transparenz
3. Footer-Disclaimer
- Kleiner Hinweis auf jedem Post: "KI-unterstützt | Geprüft von [Kanzleiname]"
- Transparentester Ansatz
- Am besten für: Kanzleien, die bei Transparenz vorangehen wollen
Alle Ansätze erfüllen die AI-Act-Anforderungen in Kombination mit ordentlicher Aufsicht.
QA-Checkliste vor Veröffentlichung
Jeder KI-unterstützte Post sollte diese Checks bestehen:
- Behauptungen geprüft: Keine unbelegten Zahlen oder Versprechen
- Ton angemessen: Informativ, nicht werblich oder aufdringlich
- Beratungs-Abgrenzung klar: Allgemeine Information, keine spezifische Beratung
- CTA neutral: "Mehr erfahren" oder "Kontaktieren Sie uns", keine Drucktaktiken
- Quellen genannt: Externe Behauptungen haben Referenzen
- No-Go-Liste geprüft: Automatischer Check bestanden
- Freigegeben durch: Name und Zeitstempel protokolliert
Erfolg messen
Trackt diese Metriken monatlich:
| Metrik | Zielwert | Warum |
|---|---|---|
| Revisionsanfragen pro Post | < 2 | Zeigt, dass Leitplanken funktionieren |
| Freigabezeit | < 24h | Prozess-Effizienz |
| Compliance-Vorfälle | 0 | Risikomanagement |
| Leser-Beschwerden | 0 | Vertrauens-Indikator |
Nächster Schritt
Content-Automation funktioniert, wenn die Leitplanken solide sind. Startet mit eurer No-Go-Liste und dem Freigabeprozess, bevor ihr die Produktion skaliert.
Vollständiger Leitfaden: Content-Automation für Kanzleien
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