Warum Dokumentation in Teams scheitert
Dokumentation scheitert nicht an „fehlendem Willen". Sie scheitert an:
- Zu viel Freitext ohne Struktur
- Keine Templates, die man ausfüllen kann
- Keine feste Routine
- Kein klarer Owner
Wenn ihr Delivery skalieren wollt, braucht ihr ein System, nicht „mehr Doku". Dieses System besteht aus drei Templates und einer 15-Minuten-Routine.
Das Problem mit „Schreib mal auf, wie das funktioniert"
Der typische Ablauf: Jemand baut einen Workflow. Er funktioniert. Wochen später fragt jemand anders: „Wie funktioniert das nochmal?" Die Antwort: „Steht irgendwo in Confluence" oder „Frag mal den Kollegen."
Warum das teuer ist:
- Wissenstransfer kostet Zeit (jedes Mal neu)
- Bei Ausfall fehlt die Dokumentation
- Neue Mitarbeiter brauchen Wochen statt Tage
Die Lösung: Nicht mehr Dokumentation, sondern die richtige Struktur.
Template 1: Runbook (Copy/Paste)
Das Runbook ist eure „Erste Hilfe"-Anleitung. Es beantwortet: Was tun, wenn dieser Workflow nicht funktioniert?
# Runbook: [Workflow-Name]
## Zweck
[1 Satz: Was macht dieser Workflow?]
## Trigger
- Eingang: [z.B. neue E-Mail in Postfach X]
- Timing: [z.B. alle 15 Minuten, bei Event]
## Output
- Wohin: [z.B. CRM-Eintrag, Slack-Nachricht]
- Format: [z.B. JSON, formatierte Nachricht]
## Verantwortlich
- Owner: [Name + Kontakt]
- Stellvertretung: [Name + Kontakt]
## Häufigste Fehler (Top 3)
1. [Fehler]: [Lösung]
2. [Fehler]: [Lösung]
3. [Fehler]: [Lösung]
## Monitoring
- Alert: [Wo erscheint der Alert?]
- Dashboard: [Link]
## Weiterführend
- Detaildoku: [Link]
- Letzte Änderung: [Datum]
Regel: Jeder produktive Workflow braucht ein Runbook. Kein Runbook = nicht produktionsreif.
Template 2: Prozess-Steckbrief
Der Steckbrief ist für Business-Stakeholder. Er beantwortet: Was ist das, wer ist verantwortlich, was sind die Regeln?
# Prozess: [Name]
## Übersicht
- Start: [Trigger/Auslöser]
- Ende: [Endzustand/Output]
- Durchlaufzeit: [Ziel-SLA]
## Status-Modell
| Status | Bedeutung | Max. Dauer |
|--------|-----------|------------|
| Neu | Eingegangen | 4h |
| In Bearbeitung | Wird bearbeitet | 24h |
| Wartet | Externe Abhängigkeit | 72h |
| Abgeschlossen | Fertig | - |
## Verantwortlichkeiten (RACI)
| Aktivität | Responsible | Accountable | Consulted | Informed |
|-----------|-------------|-------------|-----------|----------|
| Eingang | Intake | Partner | - | Team |
| Bearbeitung | Team | Partner | Mandant | Intake |
## SLAs
- Erstreaktion: [z.B. 4h]
- Durchlauf: [z.B. 48h]
- Eskalation: [Wann an wen?]
## KPIs
- [KPI 1]: [Zielwert]
- [KPI 2]: [Zielwert]
Template 3: Übergabe-Dokument
Das Übergabe-Dokument braucht ihr bei Personalwechsel oder wenn ein Externer übernimmt.
# Übergabe: [System/Workflow]
## Architektur
[2-3 Sätze: Was sind die Hauptkomponenten?]
## Zugänge & Secrets
| System | Zugang | Wo verwaltet |
|--------|--------|--------------|
| n8n | Admin | 1Password Vault X |
| API | Service Account | .env auf Server Y |
## Edge Cases
1. [Situation]: [Wie damit umgehen]
2. [Situation]: [Wie damit umgehen]
## Rollback
[Wie stellt man den vorherigen Zustand wieder her?]
## Testfälle
1. [Testfall]: [Erwartetes Ergebnis]
2. [Testfall]: [Erwartetes Ergebnis]
Die 15-Minuten-Routine
Dokumentation stirbt, wenn sie nicht gepflegt wird. Diese Routine hält sie am Leben:
Wöchentlich (15 Min):
- Runbooks durchgehen: Stimmen die Kontakte noch?
- Offene Fragen notieren
- Eine Sache aktualisieren
Bei jedem Release:
- Runbook aktualisieren
- Changelog eintragen
- Testfälle prüfen
Quartalsweise (1h):
- Alle Runbooks auf Vollständigkeit prüfen
- Veraltete Doku archivieren
- Lücken identifizieren
KPIs für Dokumentation
| KPI | Zielwert | Warnsignal |
|---|---|---|
| Runbook-Abdeckung | 100% | <80% |
| Incidents ohne Runbook | 0 | >2/Monat |
| Doku-Alter | <90 Tage | >180 Tage |
Nächster Schritt
Startet mit Template 1 für eure wichtigsten 3 Workflows. Wenn die Runbooks stehen, erweitert auf Prozess-Steckbriefe für Business-Stakeholder.
→ Leitfaden: Automatisierung für professionelle Dienstleister