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Intake-Routing in Kanzleien: Statusmodell, Follow-ups, KPIs

Ein praktisches Modell, mit dem Anfragen nicht im Posteingang verschwinden: Status, Owner, Follow-ups und Messpunkte.

07. Januar 2026Aktualisiert: 18. Februar 2026
Hinweis zur Qualität
  • Fokus: Prozess/Betrieb statt Tool-Hype
  • Stand: 18. Februar 2026
  • Keine Rechtsberatung – nur Organisations-/Prozessmodell
  • Wie wir arbeiten

Worum es beim Routing wirklich geht

Viele Kanzleien sprechen über Intake, meinen aber eigentlich den Posteingang. Routing ist etwas anderes: Es ist die definierte Logik, wie eine Anfrage vom Eingang zu einer Entscheidung kommt – inklusive Status, Zuständigkeit und Nachfassen.


Das Problem mit „Anfragen kommen rein"

Eine typische Kanzlei: Anfragen landen im Sekretariat, in verschiedenen E-Mail-Postfächern, über das Kontaktformular, manchmal direkt bei Anwälten. Niemand hat den Überblick. Manche Anfragen werden doppelt beantwortet, andere gar nicht.

Die Symptome:

  • „Haben wir auf die Anfrage schon geantwortet?"
  • „Wer ist dafür zuständig?"
  • „Die Anfrage ist 5 Tage alt – hat sich jemand gekümmert?"

Die Ursache: Kein definiertes Routing-System.


Das 7-Stufen-Statusmodell

Jede Anfrage durchläuft definierte Phasen. Hier ist ein Modell, das in der Praxis funktioniert:

Status-Definitionen

Status Bedeutung Owner Max. Dauer Nächster Schritt
1. Neu Anfrage eingegangen, noch nicht gesichtet Intake-Team 4h Sichten + kategorisieren
2. Qualifizierung Erste Sichtung, Rückfragen möglich Intake-Team 24h Qualifizieren oder Rückfrage
3. Rückfragen offen Warten auf Info vom Interessenten Intake-Team 72h Follow-up oder Archiv
4. Routing An zuständigen Anwalt/Team übergeben Intake-Team 4h Übergabe dokumentieren
5. Termin geplant Ersttermin vereinbart Anwalt 5 Tage Termin durchführen
6. Angenommen Mandat übernommen Anwalt - Onboarding starten
7. Abgelehnt/Archiv Kein Mandat (mit Grund) Intake-Team - Dokumentieren

Warum jeder Status einen Owner braucht

Ohne Owner passiert: „Ich dachte, du machst das."

Regel: Zu jedem Zeitpunkt ist genau eine Person verantwortlich. Bei Statuswechsel geht die Verantwortung explizit über.


Follow-up-Templates (Copy/Paste)

Nach 24 Stunden (keine Reaktion auf erste Antwort)

Betreff: Re: Ihre Anfrage zu [Thema]

Guten Tag [Name],

vielen Dank für Ihre Anfrage. Um Sie optimal beraten zu können, 
benötige ich noch folgende Information:

- [Konkrete Frage 1]
- [Konkrete Frage 2]

Gibt es eine Frist, die wir beachten müssen?

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Nach 48 Stunden (immer noch keine Reaktion)

Betreff: Kurze Erinnerung: Ihre Anfrage vom [Datum]

Guten Tag [Name],

ich melde mich nochmals bezüglich Ihrer Anfrage vom [Datum] 
zu [Thema].

Benötigen Sie noch Unterstützung? Falls ja, melden Sie sich 
gern kurz – ich bin erreichbar unter [Telefon].

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Nach 5 Tagen (letzte Erinnerung)

Betreff: Archivierung Ihrer Anfrage

Guten Tag [Name],

da wir keine Rückmeldung zu Ihrer Anfrage vom [Datum] 
erhalten haben, archivieren wir diese.

Bei erneutem Interesse stehen wir Ihnen selbstverständlich 
zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Routing-Regeln definieren

Nicht jede Anfrage geht an jeden. Klare Routing-Regeln sparen Zeit.

Beispiel: Routing-Matrix

Kategorie Routing zu Kriterien
Arbeitsrecht Arbeitnehmer Team AN Kündigung, Abfindung, Zeugnis
Arbeitsrecht Arbeitgeber Team AG Personalabbau, Vertragsgestaltung
Familienrecht Team FAM Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht
Gesellschaftsrecht Team GES Gründung, Streit, M&A
Sonstiges Intake-Lead Unklar, Erstberatung

Routing-Entscheidungsbaum

1. Rechtsgebiet erkennbar?
   Ja → Weiter zu 2
   Nein → Rückfrage an Interessent

2. Dringlichkeit?
   Hoch (Frist <7 Tage) → Sofort-Routing + Alert
   Normal → Standard-Routing

3. Komplexität erkennbar?
   Hoch → Senior-Anwalt
   Standard → Team-Pool

KPIs für Intake-Routing

KPI Zielwert Warnsignal Messung
Median-Antwortzeit <4h >12h Zeit von Eingang bis erste Antwort
Zeit bis Entscheidung <72h >5 Tage Zeit von Eingang bis Annahme/Ablehnung
Routing-Genauigkeit >90% <80% Anteil korrekt gerouteter Anfragen
Follow-up-Quote >95% <85% Anfragen mit mindestens 1 Follow-up
Archiv-ohne-Reaktion <20% >35% Anfragen die ohne Mandant enden

Automatisierung: Was sich sofort lohnt

Sofort automatisierbar:

  • Eingangsbestätigung (innerhalb 1 Minute)
  • Status-Updates an Interessent
  • Follow-up-Reminder an Intake-Team
  • Eskalation bei überschrittener SLA

Teilweise automatisierbar:

  • Kategorisierung nach Keywords
  • Routing-Vorschlag (aber menschliche Freigabe)

Manuell bleibt:

  • Qualitätsprüfung der Anfrage
  • Finale Routing-Entscheidung bei Grenzfällen
  • Erstgespräch-Vorbereitung

Checkliste für Routing-System

# Prüfpunkt Status
1 Alle Eingangskanäle erfasst
2 Statusmodell definiert (7 Stufen)
3 Owner pro Status festgelegt
4 SLAs pro Status definiert
5 Routing-Regeln dokumentiert
6 Follow-up-Templates erstellt
7 KPIs definiert und messbar

Nächster Schritt

Beschreiben Sie kurz, wie Anfragen heute bei Ihnen eingehen, wer antwortet und was Ihr Ziel ist. Wir schlagen einen konkreten nächsten Schritt vor.

Leitfaden: Lead-Intake Automatisierung

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Nächster Schritt: 1 Workflow produktiv (statt 10 Ideen)

Wenn Sie uns kurz Kontext geben, kommen wir im Erstgespräch direkt zu einem klaren Scope (Ziel, Daten, Status/Owner) – ohne Sales-Show.

  • Teamgröße (ca.)
  • 2–3 Systeme (z. B. E-Mail, CRM, DMS)
  • 1 Ziel-KPI (Antwortzeit, Durchlaufzeit, Routing-Quote …)
  • Aktueller Engpass (Übergaben, Status, Datenqualität)

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