Content-Automation ist kein „Posting-Bot"
Wenn Content-Automation schlecht gemacht ist, wirkt sie wie Spam. Wenn sie gut gemacht ist, ist sie ein verlässlicher Prozess mit Freigabe. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Vorbereitung.
Das Problem mit „einfach mehr Content"
Eine Kanzlei startet mit Content-Automation. Nach 3 Monaten: 50 Posts, wenig Engagement, keine Mandate daraus. Was ist passiert?
Symptom 1: Kein Themenfokus
„Wir posten zu allem, was gerade relevant ist." → Keine Wiedererkennung, keine Expertise-Wahrnehmung.
Symptom 2: Keine Freigabe
„Die KI macht das schon richtig." → Peinliche Fehler, falsche Aussagen, Reputationsrisiko.
Symptom 3: Keine Qualitätskriterien
„Hauptsache wir posten regelmäßig." → Generischer Content, der wie alle anderen klingt.
Lohnt sich Content-Automation bei Ihnen? (3 Fragen)
Frage 1: Haben Sie 6-12 Themen, die wirklich zu Mandaten führen?
Nicht „interessante Themen", sondern Themen, bei denen Mandanten aktiv nach Hilfe suchen.
Gute Themen:
- Arbeitsrecht: Kündigungsschutz, Abfindung, Aufhebungsvertrag
- Familienrecht: Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht
- Gesellschaftsrecht: Gründung, Gesellschafterstreit, Nachfolge
Schlechte Themen:
- „Rechtsnews der Woche"
- „Interessante BGH-Urteile"
- „Was bedeutet das neue Gesetz?"
Test: Wenn Sie den Artikel lesen – würde jemand danach anrufen?
Frage 2: Gibt es einen Freigabeprozess?
Für Kanzleien ist Freigabe Pflicht. Ohne Freigabe wird es riskant.
Was geprüft werden muss:
- Ton (passt zur Kanzlei?)
- Aussagen (fachlich korrekt?)
- Beispiele (keine erkennbaren Mandanten?)
- Versprechen (keine Garantien?)
Zeitaufwand: 10-15 Minuten pro Artikel, wenn gut vorbereitet.
Frage 3: Können Sie Qualität definieren?
Qualität ist nicht „gut geschrieben", sondern messbar.
Qualitätskriterien für Kanzlei-Content:
| Kriterium | Gut | Schlecht |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Klare Persona (Geschäftsführer mit Kündigungsthema) | Alle, die Recht brauchen |
| Struktur | Problem → Lösung → Nächster Schritt | Infodump ohne Handlung |
| Aussagen | Faktisch, mit Einschränkungen | Versprechungen, Garantien |
| CTA | Konkret (Erstgespräch buchen) | Generisch (Kontaktieren Sie uns) |
Wann Sie es (noch) nicht automatisieren sollten
❌ Keine Automation wenn:
Kein Themen-System existiert
Sie posten „was gerade wichtig erscheint". Ohne System wird Automation nur mehr vom Falschen.Niemand Zeit für Freigabe hat
10 Minuten pro Artikel. Wenn das nicht geht, ist Content-Marketing das falsche Instrument.KI als „Berater" erwartet wird
KI kann unterstützen, aber nicht fachlich beraten. Die Verantwortung bleibt beim Menschen.Keine Messung geplant ist
Ohne Messung kein Lernen. Welche Themen funktionieren? Woher kommen Anfragen?
Minimal-Setup, das funktioniert
1. Themenrotation (8-12 Themen)
Definiert 8-12 Kernthemen, die rotieren. Jedes Thema hat:
- Kernfrage (was will die Zielgruppe wissen?)
- Varianten (FAQ, Checkliste, Fehler vermeiden, Case Study)
- Saisonalität (wann besonders relevant?)
2. Content-Formate (4 Typen)
| Format | Zweck | Frequenz |
|---|---|---|
| FAQ | Häufige Fragen beantworten | 2x/Monat |
| Checkliste | Praktischer Nutzen | 1x/Monat |
| Fehler vermeiden | Problem-Awareness | 1x/Monat |
| Mini-Case | Social Proof (anonymisiert) | 1x/Monat |
3. Draft-Erstellung (KI-unterstützt)
- Briefing mit Thema + Format + Zielgruppe
- KI erstellt Entwurf
- Mensch prüft Fakten + Ton
- Finale Freigabe
4. Freigabe-Prozess (1 Person, 10 Minuten)
Freigabe-Checkliste:
☐ Fachlich korrekt?
☐ Ton passt zur Kanzlei?
☐ Keine erkennbaren Mandanten?
☐ Keine Versprechungen/Garantien?
☐ CTA vorhanden und passend?
5. Publishing + Wiederverwertung
Ein Artikel → mehrere Kanäle:
- Blog (ausführlich)
- Newsletter (gekürzt)
- LinkedIn (Teaser + Link)
- Xing (wenn relevant)
KPIs für Content-Automation
| KPI | Zielwert | Warnsignal |
|---|---|---|
| Artikel/Monat | 4-8 | <2 oder >12 |
| Freigabe-Zeit | <15 Min | >30 Min |
| Engagement | Trend steigend | Konstant niedrig |
| Anfragen aus Content | Messbar | Keine Attribution |
Nächster Schritt
Beantwortet die 3 Fragen ehrlich. Wenn alle Ja: Content-Automation macht Sinn. Wenn ein Nein dabei ist: Erst die Grundlagen schaffen.