Warum Themenlisten scheitern
Viele Teams sammeln 50 Themen in einem Brainstorming.
Nach 2 Wochen ist Schluss, weil:
- nichts priorisiert ist,
- Formate fehlen,
- Freigabe unklar ist,
- niemand weiß, wer was schreibt.
Das Ergebnis: Eine Excel-Liste mit 50 verwaisten Ideen und null veröffentlichten Beiträgen.
Themenrotation löst das Problem grundlegend: wenige Themenfamilien, wiederholbar, planbar. Statt „Was könnten wir schreiben?" lautet die Frage „Welche Themenfamilie ist diese Woche dran?"
12 Themenfamilien für Kanzlei-Content
Diese 12 Familien decken 90% aller sinnvollen Kanzlei-Inhalte ab. Jede Familie ist unendlich wiederholbar – nur das konkrete Rechtsgebiet oder Thema wechselt.
1) „So läuft es ab" (Prozess-Erklärung)
Was: Transparenz über typische Abläufe
Beispiele:
- „So läuft eine Scheidung ab: 7 Phasen im Überblick"
- „Arbeitsgerichtsprozess: Was passiert nach der Klage?"
- „Unternehmenskauf: Timeline von LOI bis Closing"
Warum es funktioniert: Mandanten googeln Prozesse, bevor sie Anwälte kontaktieren.
2) Checkliste vor Termin
Was: Praktische Vorbereitung für Mandanten
Beispiele:
- „Erstgespräch Erbrecht: Diese 5 Dokumente mitbringen"
- „Vor dem Notartermin: Checkliste Immobilienkauf"
- „Gesellschafterversammlung: Unterlagen-Checkliste"
Warum es funktioniert: Reduziert Rückfragen und signalisiert Professionalität.
3) Mythen und Fehler vermeiden
Was: Aufklärung über verbreitete Irrtümer
Beispiele:
- „5 Mythen über Kündigungsschutz"
- „Testament: Diese 3 Fehler machen es unwirksam"
- „Startup-Gründung: Häufigste Vertragsfehler"
Warum es funktioniert: Korrigiert Halbwissen und positioniert als Experte.
4) FAQ („Was bedeutet...?")
Was: Begriffserklärungen für Laien
Beispiele:
- „Was bedeutet Zugewinnausgleich?"
- „Betriebsbedingte Kündigung: Definition und Voraussetzungen"
- „Due Diligence erklärt: Was prüft man warum?"
Warum es funktioniert: Hohe Suchvolumina, einfache Freigabe.
5) Fristen und Timing
Was: Zeitliche Orientierung ohne Rechtsberatung
Beispiele:
- „Kündigungsfristen im Arbeitsrecht: Überblick"
- „Wie lange dauert eine Scheidung durchschnittlich?"
- „Gewährleistungsfristen: B2B vs. B2C"
Warum es funktioniert: Konkrete Zahlen werden gesucht und geteilt.
6) Dokumente: „Was brauchen wir?"
Was: Typische Unterlagen für Mandatstypen
Beispiele:
- „Erbschein beantragen: Diese Dokumente brauchen Sie"
- „Markenanmeldung: Notwendige Unterlagen"
- „Arbeitszeugnis anfechten: Beweismittel sammeln"
Warum es funktioniert: Praktischer Mehrwert, hohe Wiederverwendung.
7) Entscheidungshilfe („Lohnt sich...?")
Was: Orientierung für Entscheidungen
Beispiele:
- „Kündigungsschutzklage: Wann lohnt sie sich?"
- „Marke anmelden oder nicht? Entscheidungskriterien"
- „Mediation vs. Gericht: Was passt besser?"
Warum es funktioniert: Spricht Mandanten in der Entscheidungsphase an.
8) Falltypen (anonymisiert)
Was: Typische Konstellationen ohne Details
Beispiele:
- „3 typische Erbstreit-Konstellationen"
- „Geschäftsführerhaftung: Häufige Szenarien"
- „Startup-Streit: Gründer vs. Investor"
Warum es funktioniert: Mandanten erkennen sich wieder.
9) Zusammenarbeit („So arbeiten wir")
Was: Transparenz über Arbeitsweise
Beispiele:
- „Was kostet ein Erstgespräch?"
- „So kommunizieren wir: Erreichbarkeit und Updates"
- „Projektmanagement bei Transaktionen: Unser Ansatz"
Warum es funktioniert: Baut Vertrauen vor dem Erstkontakt auf.
10) Begriffe erklären
Was: Juristische Fachbegriffe für Laien
Beispiele:
- „Salvatorische Klausel: Was bedeutet das?"
- „Schriftformerfordernis: Wann reicht eine E-Mail?"
- „Gesamtschuldner: Einfach erklärt"
Warum es funktioniert: Perfekt für SEO, schnell zu erstellen.
11) Risiken und No-Gos
Was: Warnungen vor typischen Fehlern
Beispiele:
- „5 Vertragsklauseln, die Sie nie unterschreiben sollten"
- „Testament ohne Notar: Risiken"
- „Abfindung sofort annehmen? Warum nicht"
Warum es funktioniert: Aufmerksamkeit durch negative Framing.
12) KPI und Transparenz
Was: Messbare Ergebnisse und Statistiken
Beispiele:
- „Durchschnittliche Abfindungshöhen 2024"
- „Erfolgsquoten bei Kündigungsschutzklagen"
- „Verfahrensdauer Familiengericht: Statistik"
Warum es funktioniert: Zahlen werden geteilt und zitiert.
Format-Matrix: Aufwand vs. Wirkung
| Format | Aufwand | Freigabe | Wiederverwendung | SEO-Potenzial |
|---|---|---|---|---|
| FAQ | Niedrig | Schnell | Hoch | Sehr hoch |
| Checkliste | Mittel | Schnell | Sehr hoch | Hoch |
| Mythen/Anti-Pattern | Mittel | Mittel | Hoch | Hoch |
| Decision-Guide | Mittel | Mittel | Hoch | Mittel |
| Prozess-Erklärung | Hoch | Mittel | Mittel | Sehr hoch |
| Falltypen | Hoch | Langsam | Mittel | Mittel |
Empfehlung: Starten Sie mit FAQ und Checklisten. Geringer Aufwand, schnelle Freigabe, hohe Wiederverwendung.
Rotation-Plan: 4-Wochen-Zyklus
Woche 1: Grundlagen
- Montag: FAQ-Beitrag (1 Begriff erklären)
- Donnerstag: Checkliste (Vorbereitung für einen Mandatstyp)
Woche 2: Problemlösung
- Montag: Anti-Pattern/Mythen (häufige Fehler)
- Donnerstag: Prozess-Erklärung („So läuft X ab")
Woche 3: Entscheidung
- Montag: Decision-Guide („Lohnt sich X?")
- Donnerstag: Begriff erklären (Fachbegriff für Laien)
Woche 4: Transparenz
- Montag: KPI/Statistik (Zahlen aus der Praxis)
- Donnerstag: „So arbeiten wir" (Kanzlei-Einblick)
Nach 4 Wochen: Zyklus wiederholen mit neuem Rechtsgebiet oder Thema.
Jahresplanung: 12 Monate, 12 Rechtsgebiete
| Monat | Rechtsgebiet | Themenfamilien-Fokus |
|---|---|---|
| Januar | Arbeitsrecht | Kündigungsschutz, Fristen |
| Februar | Erbrecht | Testament, Erbschein |
| März | Gesellschaftsrecht | Gründung, Haftung |
| April | Familienrecht | Scheidung, Unterhalt |
| Mai | Immobilienrecht | Kauf, Mietrecht |
| Juni | IT-Recht | Verträge, DSGVO |
| Juli | Handelsrecht | Verträge, AGB |
| August | Steuerrecht | Fristen, Prüfungen |
| September | Arbeitsrecht | Aufhebung, Zeugnis |
| Oktober | M&A | Due Diligence, Closing |
| November | Compliance | Haftung, Prävention |
| Dezember | Jahresrückblick | KPIs, Statistiken |
Freigabeprozess: 3 Stufen
Stufe 1: Schnelle Freigabe (< 24h)
- FAQ-Beiträge
- Checklisten
- Begriffserklärungen
- Prozess-Beschreibungen (allgemein)
Stufe 2: Standard-Freigabe (2-3 Tage)
- Mythen/Anti-Pattern
- Decision-Guides
- „So arbeiten wir"-Beiträge
Stufe 3: Partner-Freigabe (1 Woche)
- Falltypen (auch anonymisiert)
- KPI-Beiträge mit konkreten Zahlen
- Meinungsbeiträge
Tipp: Definieren Sie Freigabe-Verantwortliche pro Stufe. Nicht jeder Partner muss jeden FAQ-Beitrag sehen.
KPI-Framework für Themenrotation
Produktions-KPIs
- Veröffentlichungen/Monat: Ziel 8 (2 pro Woche)
- Durchschnittliche Freigabezeit: Ziel < 3 Tage
- Themenfamilien-Abdeckung: Alle 12 pro Quartal mindestens 1x
Engagement-KPIs
- Durchschnittliche Verweildauer: > 2 Minuten
- Bounce Rate: < 60%
- Social Shares: Tracken pro Beitrag
Business-KPIs
- Kontaktanfragen/Monat: Baseline + 20%
- Traffic organisch: Monatlich steigend
- Keyword-Rankings: Top 10 für Ziel-Keywords
Häufige Fehler bei Themenrotation
Fehler 1: Zu viele Themenfamilien
12 sind genug. Mehr führt zu Verwirrung und Inkonsistenz.
Fehler 2: Keine Format-Variation
Wenn jeder Beitrag eine Checkliste ist, wird es langweilig. Matrix nutzen.
Fehler 3: Freigabe nicht definiert
Ohne klare Zuständigkeiten staut sich Content im Approval-Limbo.
Fehler 4: Kein Redaktionskalender
Rotation ohne feste Slots funktioniert nicht. Tage und Verantwortliche festlegen.
Fehler 5: Perfektionismus
Ein veröffentlichter 80%-Beitrag schlägt einen nie fertigen 100%-Beitrag.
Nächster Schritt
Wenn ihr Content planbar wollt, startet mit Themenrotation + Freigabe – nicht mit „mehr Output".
- Wählt 4 Themenfamilien für den ersten Monat
- Definiert 2 feste Veröffentlichungstage
- Benennt Freigabe-Verantwortliche pro Stufe
- Startet mit FAQ und Checklisten